Ein Personalleiter eines mittelständischen Maschinenbauers in Baden-Württemberg steht vor der Aufgabe, einem langjährigen Werkstattmeister zum 25-jährigen Dienstjubiläum ein Geschenk zu überreichen, das weder billig wirkt noch das interne Budget sprengt. Die Obergrenze liegt bei 500 Euro. Ein Gutschein wäre lieblos, Blumen zu beiläufig, ein Reisekoffer unpersönlich. Am Ende liegt eine mechanische Uhr aus Le Locle im Karton.

So etwas erlebt man jedes Jahr in tausenden deutschen Unternehmen, bei Silberhochzeiten, bei Firmenjubiläen und bei Mitarbeiter-Ehrungen. Die Uhr als Geschenk hat dabei eine Beständigkeit, die andere Präsente kaum erreichen, auch wenn sie in der Anschaffung oft teurer ist.

Warum am Ende oft eine Uhr verschenkt wird

Die Antwort könnte nicht simpler sein: Man trägt sie. Das unterscheidet sie von einem Präsentkorb, der nach einer Woche vergessen ist, oder einem Geldgeschenk, das geschmacklich ohnehin fragwürdig ist. Eine Armbanduhr bleibt sichtbar, oft Jahrzehnte, und erinnert an einen ganz bestimmten Tag.

Die Tradition, zu bestimmten Anlässen eine Uhr zu schenken, ist älter als Gutscheine. Zur Hochzeit sind Schweizer Uhren mit Gravur neben Schmuckstücken oder Kleidung die erste Wahl als Geschenk.

In deutschen Unternehmen ist das goldene bzw. silberne Dienstjubiläum bis heute einer der wenigen Anlässe, zu denen eine Uhr, oft mit Gravur, nicht als altmodisch betrachtet wird, sondern als angemessen.

Was das Mittelsegment heute kann

Die schweizer Uhrenexporte 2025 beliefen sich auf 25,6 Milliarden Franken, ein Rückgang von 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so die Fédération de l’industrie horlogère suisse (FH) im Januar 2026. Der Export nach Deutschland schrumpfte dabei um 20,8 Prozent. Hinter diesem Rückgang steckt vor allem eine Schwäche am oberen Ende des Marktes, im Luxus- und Prestigesegment mit Preisen von deutlich mehr als 10.000 Franken. Das Mittelsegment zeichnet ein anderes Bild.

In der Preisklasse bis 1.500 Franken spielen schweizerische Uhren aus Stahl mit mechanischem Werk eine größere Rolle als noch vor zehn Jahren. Marken wie Tissot, Hamilton, Certina oder Mido haben dieses Segment über die letzten Jahre hinweg deutlich aufgewertet, u.a. durch längere Gangdauer, bessere Materialien und ein klareres Design. Tissot, 1853 von Charles-Félicien und Charles-Émile Tissot in Le Locle gegründet sowie heute Teil der Swatch Group, stellte 2024 ungefähr drei Millionen Uhren her. Im Portfolio der Swatch Group positioniert sich die Marke zwischen dem Einstiegslabel Swatch und der eine Preisklasse höher angesiedelten Longines.

Die PRX-Linie, ursprünglich 1978 vorgestellt und 2021 neu aufgelegt, gilt inzwischen als Referenz für den Einstieg in die mechanische Schweizer Uhrmacherkunst. Neueinsteiger orientieren sich vor dem Kauf meist an Marktübersichten wie der Sortierung der Tissot Uhren im Überblick auf Chrono24, wo Neu- und Gebrauchtpreise in einer Ansicht erscheinen und der Vergleich zwischen den Kollektionen Le Locle, PRX, Gentleman und Seastar ohne Umweg über einzelne Händlerseiten funktioniert. Entscheidend für ein Anlassgeschenk ist ohnehin nicht das teuerste Modell, sondern das passende zur Situation und zum Träger.

Steuerrecht bei Firmengeschenken

Sobald eine Uhr als Sachzuwendung durch den Arbeitgeber übergeben wird, greift eine klare Abgabenlogik. Persönliche Anlassgeschenke wie Dienstjubiläum, Geburtstag oder Hochzeit bleiben in Deutschland bis zu einem Bruttowert von 60 Euro pro Anlass steuer- und sozialversicherungsfrei, geregelt in den Lohnsteuer-Richtlinien R 19.6. Diese Grenze reicht für Blumen und Weinflaschen, nicht aber für eine hochwertige Armbanduhr.

Für teurere Sachgeschenke greift das Einkommensteuergesetz. Der Arbeitgeber kann die Zuwendung pauschal mit 30 Prozent versteuern, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Obergrenze liegt bei 10.000 Euro pro Person und Jahr. Der beschenkte Mitarbeiter muss sich um nichts kümmern, die Pauschalsteuer übernimmt das Unternehmen. Voraussetzung sind die saubere Dokumentation im Lohnkonto, ein eindeutiger Anlassbezug und der korrekte Ausweis der Umsatzsteuer. Rein private Geschenke von Freunden oder Familie zur Hochzeit oder zum runden Geburtstag bleiben davon unberührt, weil sie nicht aus einer beruflichen Rolle heraus überreicht werden.

In der Praxis sieht die Rechnung dann etwa so aus. 800 Euro Bruttopreis plus rund 240 Euro Pauschalsteuer ergeben eine Gesamtbelastung von etwa 1.040 Euro für ein Geschenk, das beim Jubilar ankommt und dort auch bleibt.

Was zum Smoking passt und was zur Sommerhochzeit

Bei formalen Anlässen bleibt die Knigge-Regel klar. Zum klassischen White Tie, also Frack und weißer Fliege, wurde historisch keine Armbanduhr getragen. Die Begründung aus dem 19. Jahrhundert lautete, auf einem Ball spiele die Zeit keine Rolle, man habe lieber eine Taschenuhr in der Westentasche. Heute wirkt diese Regel museal, aber sie existiert noch, und bei sehr strengen Gesellschaften in Wien oder Zürich wird sie gelegentlich zitiert.

Der Black-Tie-Dresscode und Galaabende verlangen eine dezente Dress Watch, also eine flache, klare Uhr an einem Lederarmband, ohne Stahlarmband und ohne sportliche Anmutung. Zum Business Formal, etwa bei Kongressen, Preisverleihungen oder Award-Abenden, zählt die Armbanduhr zu den wenigen Accessoires, die ein Redner überhaupt sichtbar tragen darf, und sie sollte entsprechend gewählt sein. Bei einer Sommerhochzeit im Freien lockert sich die Lage deutlich. Eine robustere Uhr am Textilarmband wirkt dort passender als ein fragiler Zeitmesser mit Krokodilband. Viele Brautpaare klären die Frage inzwischen parallel zur Anprobe des Anzugs, weil beides zum selben Erscheinungsbild gehört.

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