Nachhaltigkeit und modernes Messestand-Design sind längst keine Gegensätze mehr. Im Gegenteil. In unserem Messebau-Alltag erleben wir gerade, dass einige der spannendsten Standkonzepte genau dort entstehen, wo gutes Design, Wiederverwendbarkeit und ein bewusster Umgang mit Materialien zusammenkommen.
Was sich allerdings verändert hat, ist die Optik. Vor einigen Jahren musste ein nachhaltiger Messestand häufig auch unbedingt nachhaltig aussehen. Viel Holz, Naturfarben, Pflanzen und möglichst noch eine große Nachhaltigkeitsbotschaft an der Wand. Heute sind wir zum Glück ein gutes Stück weiter.
Ein nachhaltiger Messestand kann genauso gut sehr technisch, minimalistisch, farbenfroh oder sogar futuristisch aussehen.
Denn entscheidend ist nicht, ob Besucher Nachhaltigkeit auf den ersten Blick erkennen. Entscheidend ist, wie der Messestand geplant, produziert, transportiert und nach der Messe weiterverwendet wird.
Nachhaltiges Messestand-Design beginnt für uns lange vor der Materialauswahl
Eine der ersten Fragen, die wir bei der Planung stellen, lautet deshalb nicht: Welches nachhaltige Material können wir verwenden?
Viel interessanter ist die Frage: Was passiert mit diesem Messestand nach der Messe?
Wird eine komplette Konstruktion für vier oder fünf Messetage gebaut und anschließend entsorgt, hilft es wenig, wenn einzelne Oberflächen besonders nachhaltig produziert wurden.
Wir versuchen deshalb, Messekonzepte möglichst von Anfang an weiterzudenken.
Kann aus einem 40 Quadratmeter großen Stand bei der nächsten Messe ein 60 Quadratmeter großer Stand werden? Funktioniert dasselbe Konzept später vielleicht auch auf 25 Quadratmetern? Können Wände, Unterkonstruktionen, Beleuchtung und Mobiliar wieder eingesetzt werden?
Je häufiger wir diese Fragen mit Ja beantworten können, desto interessanter wird ein Konzept – ökologisch und wirtschaftlich.
Modularität sieht heute nicht mehr nach Systemstand aus
Beim Begriff „modularer Messestand“ haben manche noch immer das klassische Bild eines sichtbaren Aluminiumprofils vor Augen.
Das entspricht längst nicht mehr der Realität.
Moderne Systeme können verkleidet, mit individuellen Oberflächen kombiniert und durch Sonderbauteile ergänzt werden. Am fertigen Stand lässt sich häufig überhaupt nicht erkennen, welche Konstruktion sich dahinter befindet.
Genau das macht diese Bauweise für uns so interessant.
Wir können einen individuellen Markenauftritt entwickeln und gleichzeitig einen großen Teil der Konstruktion für weitere Veranstaltungen nutzen.
Bei der nächsten Messe werden vielleicht die Grafiken ausgetauscht, die Standgröße verändert oder einzelne Elemente ergänzt. Die Basis bleibt jedoch erhalten.
Weniger Material kann sogar mehr Messestand bedeuten
Wir erleben derzeit noch eine andere Entwicklung, die gut zum nachhaltigen Messebau passt.
Messestände werden wieder offener. Nicht jede verfügbare Fläche muss bebaut werden. Nicht jede Gangseite braucht eine Wand. Und nicht jedes Gespräch muss hinter einer geschlossenen Tür stattfinden. Großzügige Sichtachsen und offene Kommunikationsbereiche können einen Stand wesentlich einladender machen und benötigen gleichzeitig weniger Material.
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Das funktioniert natürlich nicht bei jedem Unternehmen. Vertrauliche Gespräche brauchen weiterhin entsprechende Räume. Aber der klassische geschlossene Meetingraum, in dem sich Besucher und Vertriebsteam förmlich verstecken, ist längst nicht mehr automatisch die beste Lösung.
Gerade offene oder halbtransparente Besprechungsbereiche schaffen häufig eine viel angenehmere Atmosphäre.
Dürfen wir uns von der Holzlamelle verabschieden?
Holz ist ein wunderbares Material. Und selbstverständlich wird es auch weiterhin seinen Platz im Messebau haben.
Aber wer regelmäßig über Fachmessen läuft, kennt inzwischen ein bestimmtes Bild sehr gut: Holzlamellen, schwarze Rahmen, etwas Filz, zwei Pflanzen – fertig ist der vermeintlich nachhaltige Messestand.
Das Problem ist nicht die Holzlamelle. Das Problem entsteht, wenn plötzlich jeder zweite Messestand gleich aussieht. Ein Messeauftritt soll schließlich nicht nur zeitgemäß sein, sondern vor allem das eigene Unternehmen repräsentieren.
Deshalb wünschen wir uns wieder mehr Mut zur eigenen Identität. Corporate Design, individuelle Formen, ungewöhnliche Materialien, Licht und digitale Elemente können genauso Bestandteil eines nachhaltigen Konzeptes sein.
Nachhaltigkeit braucht keinen bestimmten Look.
LED kann mehr als Produktvideos abspielen
Besonders spannend finde ich derzeit die Entwicklung bei LED-Technik. Noch vor einigen Jahren war eine große LED-Wall hauptsächlich ein Bildschirm für Imagefilme und Produktvideos. Heute nutzen wir LED wesentlich stärker als Teil der Architektur.
LED-Walls, LED-Kuben, digitale Stelen oder integrierte Lichtflächen können die gesamte Stimmung eines Messestandes verändern. Und genau darin liegt für mich das Spannende.
Statt eine große Fläche für jede Messe neu zu bedrucken oder baulich zu verändern, kann sie digital vollkommen unterschiedliche Welten erzeugen. Am Vormittag läuft vielleicht eine ruhige Markenwelt. Zur Produktpräsentation verändert sich die komplette Atmosphäre. Am Abend kann derselbe Bereich wiederum eine ganz andere Wirkung bekommen.
Wir projizieren nicht mehr nur Inhalte. Wir erzeugen Stimmungen.
Das eröffnet im Messestand-Design Möglichkeiten, die wir vor einigen Jahren in dieser Form noch nicht hatten.
Zwischen all der Technik tut ein bisschen echtes Grün ziemlich gut
Gleichzeitig beobachten wir einen fast gegensätzlichen Trend. Je digitaler Messestände werden, desto angenehmer wirken natürliche Elemente.
Echtpflanzen setzen wir deshalb, wenn Messe, Branche und Standkonzept dazu passen, sehr gerne ein.
Nicht, weil ein Messestand dadurch automatisch nachhaltig wird. Das wäre zu einfach gedacht. Pflanzen schaffen Atmosphäre. Sie können Besprechungsbereiche auflockern, als natürliche Raumteiler funktionieren und gerade zwischen Displays, Metall, Glas und Maschinen einen sehr angenehmen Kontrast bilden.
Entscheidend ist auch hier der bewusste Einsatz. Drei Pflanzen machen aus einem konventionellen Messestand noch keinen nachhaltigen Messeauftritt.
Was wir lieber wiederverwenden, als jedes Mal neu zu produzieren
Nachhaltigkeit hat für uns im Messebau sehr viel mit Langlebigkeit zu tun. Eine hochwertige Theke, die über Jahre immer wieder eingesetzt wird, kann sinnvoller sein als ein vermeintlich ökologisches Produkt, das nach einer Veranstaltung nicht mehr verwendbar ist.
Das Gleiche gilt für Möbel, Beleuchtung, Konstruktionselemente und Transportverpackungen.
Wir denken deshalb lieber in mehreren Messeauftritten als nur bis zum nächsten Abbautag. Ein gutes Grundkonzept lässt sich weiterentwickeln.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist dabei der kurze Wiederverwendungszyklus unserer Systemmaterialien, Unterkonstruktionen und andere Systembauteile. Diese kommen bei uns in einem Umschlagzeitraum von etwa sechs Wochen bereits wieder beim nächsten Messestand zum Einsatz. Statt für einzelne Projekte immer neue Grundkonstruktionen aus Holz zu produzieren, nutzen wir vorhandenes Material fortlaufend weiter – ein wesentlicher Punkt, der unseren Messebau besonders ressourcenschonend und nachhaltig macht.
Bei einer Messe steht das Produkt im Mittelpunkt, bei der nächsten wird mehr Raum für Gespräche benötigt und bei einer dritten Veranstaltung ist die Standfläche plötzlich deutlich kleiner.
Wenn sich ein Stand an diese Situationen anpassen lässt, ohne jedes Mal komplett neu produziert werden zu müssen, haben wir aus unserer Sicht schon sehr viel erreicht.
Der Lkw gehört für uns genauso zum Messestand wie die schöne Oberfläche
Das klingt zunächst etwas merkwürdig, ist aber ein Punkt, der bei Nachhaltigkeit gerne vergessen wird. Ein Messestand muss zur Messe kommen. Und danach wieder zurück.
Deshalb beschäftigen wir uns nicht nur damit, wie ein Stand aussieht, sondern auch damit, wie er verpackt und transportiert werden kann. Kompakte Konstruktionen, wiederverwendbare Transportkisten, eine intelligente Beladung und gebündelte Transporte können einen erheblichen Unterschied machen.
Und wir transportieren den Großteil unseres Standbaumaterials mithilfe von Kombiverkehr/Hellmann über die Bahn. Dadurch fahren unsere LKWs jede Messe nur einmal an, unnötige Fahrten oder gar Leerfahrten werden vermieden. Das allein bringt eine Einsparung des CO2-Ausstoßes von 169 t, nicht zu vergessen die damit einhergehende Reduzierung von Stickoxiden, Schwefeldioxiden und Feinstaub.
Während der Messe verbleiben sowohl unser LKW als auch unsere Wechselbrücken auf bzw. neben dem Messegelände. Gleichzeitig sparen unsere Kunden dadurch zusätzliche Leergutkosten, denn unsere Wechselbrücken dienen während der Messelaufzeit als Lager für Transportkisten, Montagehilfen und weiteres eigenes Leergut. Auf dem Rücktransport wird dann auf die gleiche Weise CO2 eingespart.
Nachhaltiges Messestand-Design endet deshalb für uns nicht an der Standkante.
Produktion, Verpackung, Transport, Aufbau, Wiederverwendung und Lagerung gehören zur gleichen Betrachtung.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Trend
Wenn wir uns aktuelle Messeauftritte ansehen, sehe ich weniger den einen großen Nachhaltigkeitstrend. Und das finde ich positiv. Ein nachhaltiger Messestand muss heute nicht mehr erklären: „Seht her, ich bin nachhaltig.“ Er darf spektakulär sein. Er darf große LED-Flächen haben. Er darf sehr reduziert sein. Er darf Pflanzen integrieren oder vollkommen technisch wirken.
Viel entscheidender ist das Konzept dahinter.
Wie viel davon können wir wiederverwenden? Wie flexibel bleibt der Stand? Wie lange halten die eingesetzten Materialien? Was muss für die nächste Veranstaltung tatsächlich neu produziert werden? Und wie bekommen wir alles möglichst effizient von A nach B?
Genau dort entscheidet sich für mich, ob aus einem schönen Messestand auch ein durchdachtes nachhaltiges Messekonzept wird.
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